Die Sparquote und was sie (mir) sagt

Insbesondere Ende des Jahres wird man es nicht verhindern können, den Kontakt mit der Sparquote. Die Blogger dieser Welt werden wieder errechnen, modellieren und spekulieren, welche Sparquote sie erreicht oder auch nicht erreicht haben. Auch ich werde mit von der Partie sein, denn seit Beginn meiner Reise in Richtung finanzieller Unabhängigkeit, begleitet mich auch die Sparquote. Diese liefert nämlich eine wichtige Kennzahl, uns zwar für mich selbst.

Was ist die Sparquote

Die Sparquote bemisst sich an den Gesamteinnahmen, den Ausgaben und natürlich am Restbetrag, der gespart werden kann. Berechnet werden kann die Sparquote ganz einfach mit der nachfolgenden Formel.

Mit einer einfachen Berechnung eine wichtige Haushaltsgröße überblicken

Letztendlich sagt uns also die Sparquote, wie viel Geld wir nach allen Ausgaben zurücklegen können. Was wir mit dem Geld machen, also investieren oder unter die Matratze für schlechtere Zeiten legen, bleibt jedem selbst überlassen. Mehr über die Sparquote erfährt man auch beim Börsen-ABC der ARD-Börse und beim Tagesgeldvergleich (Quelle: Franke-Media.net)

Die Sparquoten der anderen

Die Sparquote ist immer eine individuelle und persönliche Sache. Der prozentuale Wert bietet sich für Vergleiche an, berücksichtigt aber leider nicht die individuellen Verhältnisse, die bei jedem Einzelnen von uns greifen. Das nachfolgende Beispiel verdeutlicht dies ein wenig.

Unterschiedliche Haushalte mit unterschiedlichen Sparquote – immer eine individuelle Kenngröße

Die ledige Person

Eine ledige Person mit einem ordentlich Einkommen von 2.500 € monatlich kommt trotz Miet-, Nahrungs- und Haushaltsausgaben von 1.900 € auf einen Sparbetrag von 600 €. Damit erreicht sie eine Sparquote von 24%.

Die Kleinfamilie

Bei einer Kleinfamilie mit gleichem Einkommen in einer ähnlichen Wohnung, kommt man trotz starker Einschränkungen hinsichtlich Nahrungsmittel- und Haushaltsausgaben auf eine Sparquote von lediglich 6%. Im aufgezeigten Beispiel betragen die Kosten für Haushalt und Nahrungsmittel pro Person lediglich 50% der erstgenannten ledigen Person. Trotzdem bleibt nur ein Restbetrag von 150 € und damit die erwähnte Sparquote von 6%.

Der Gutverdiener

Der Gutverdiener mit einem monatlichen Einkommen von 5.000 € kann sich eine bessere Wohnung leisten. Er kommt trotz enormer Ausgaben für Nahrung und Haushalt dennoch auf einen Restbetrag von 2.000 € und eine Sparquote von 40%. Die Kleinfamilie kann sich also anstrengen wie sie möchte, eine Sparquote von 40% und mehr bleibt völlig unrealistisch. Denn irgendwann können Kosten einfach nicht mehr (sinnvoll) gesenkt werden. Sollte sich hingegen der Gutverdiener einschränken, sind für ihn Sparquoten von 70% und mehr möglich.

Die Sparquote in Deutschland

In Deutschland lag die Sparquote 2019 bei knapp 11%. Während die Kleinfamilie aus dem Beispiel also unterdurchschnittlich viel spart, kommen die anderen Personen auf eine überdurchschnittliche Sparquote. Leider, zumindest für die hiesige Wirtschaft wenn Konsum dringend notwendig ist, steigt die Sparquote der Deutschen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Auch in der Finanzkrise wurden in Deutschland sehr hohe Sparquoten erreicht. Und 2020, da werden durch die Corona-Pandemie wohl alle Rekorde gebrochen. Nach Berechnungen der DZ-Bank wird in diesem Jahr eine Sparquote von 16% erwartet.

Die Sparquote der Deutschen 2018 (Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2020)

Und wer spart in Deutschland am meisten? Natürlich die Schwaben, also in diesem Falle Baden-Württemberg. BIP-starke Bundesländer wie Bayern, Hessen und Hamburg folgen. In Bundesländern mit einem verhältnismäßig geringen Einkommen wie zum Beispiel Sachsen-Anhalt (6,3%) und Mecklenburg-Vorpommern (6,8%), wird am wenigsten gespart.

Die eigene Sparquote

Mehr Sinn macht es hingegen, die eigene Sparquote für sich selbst zu berechnen und zwar mehrere Jahre hintereinander. Diese liefert nämlich einen wichtigen Hinweis auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Hat man mehrere Jahre die eigene Sparquote berechnet und ist diese halbwegs konstant, deutet dies an, wie viele Einnahmen für die finanzielle Unabhängigkeit notwendig sind. Hat also eine Person über mehrere Jahre hinweg eine Sparquote von 24%, sind 76% vom regulären Einkommen notwendig, um die finanzielle Unabhängigkeit langfristig abzusichern. Die Sparquote liefert damit einen Richtwert, welchen man für seine finanzielle Unabhängigkeit anpeilen muss. Schaffe ich es, 50% von meinem Lohn von 2.000 € zurückzulegen und mit dem Rest glücklich zu leben, reichen mir +/- 1.000 € für meine finanzielle Unabhängigkeit aus.

Die Einschränkung

Die Sparquote liefert einen Richtwert, nicht den genauen Wert. Schwankt die Quote in den Jahren zwischen 10 – 70%, liegt das entweder an wechselnden Einnahmen (bspw. als Selbstständiger oder Künsterlin) oder an einer Kostenstruktur, die ich zwingend überdenken sollte. Zusätzlich kommt natürlich noch das Sicherheitsbedürfnis, die Inflation, die zusätzliche freie Zeit und andere Unwägbarkeiten dazu. Insbesondere steigende Gesundheitsausgaben können im Alter zu höheren Kosten führen und die so schön angelegte Kalkulation in die Knie zwingen.

Fazit

Trotz der schweren Vergleichbarkeit der Sparquote freue ich mich wieder, von den Kolleg*innen die Sparquote zu lesen und mir die Struktur ein wenig näher anzuschauen. Den trotz aller Einschränkungen zeigt es mir, mit wie wenig oder wie viel die Kolleg*innen auskommen (müssen). Meine Sparquote liegt derzeit übrigens bei ca. 55%. Zielsetzung für dieses Jahr waren übrigens 40%. Meine Frau und ich schaffen es also derzeit, mehr als die Hälfte unserer Einnahmen zu sparen bzw. zu investieren. Wir sind allerdings nicht nur recht sparsam, sondern haben auch den Vorteil, dass unser Einkommen tendenziell steigt. Dies ist natürlich nicht zuletzt durch unsere Investitionen in Aktien und ETFs geschuldet. Hier zeigt sich dann der Zinseszinseffekt um dem Ziel der finanziellen Unabhängigkeit, auch dank Sparquote, näher zu kommen.

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