Der Jahresrückblick 2020 – was für ein Börsenjahr

World economy

In diesem Jahr haben wir wohl alle Außergewöhnliches erlebt, mit ganz unterschiedlichen Höhen und Tiefen. Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren bei uns Menschen hinterlassen. Aber auch auf dem internationalen Börsenparkett. Mit einem Jahresrückblick auf den S&P 500 zeigt sich die aufreibende Entwicklung im Jahr 2020 sehr deutlich.

Rückblick S&P500 2020

Wer cool geblieben ist oder sogar den Mut aufbrachte, Mitten im Crash im März zu investieren, kam häufig mit satten Gewinnen aus der Krise heraus. Mit frischem Geld aus den Notenbanken, Rekordverschuldungen der Länder und Konjunkturpaketen begegnete man der Pandemie mit ganzer Kraft. Letztendlich waren es allerdings die entwickelten Impfstoffe und die Zulassungen im November und Dezember, die an den Börsen die Corona-Ängste fortgespült hatten. Dies alles wirkte sich natürlich auch auf mein Depot und mein Jahr 2020 aus.

Depotentwicklung 2020

Gestartet bin ich im Januar mit einen Depotwert von 48.413 €. Am Ende durfte ich 86.752 € in den verschiedenen Depots verbuchen. Ein fantastischer Anstieg um 79% in nur einem Jahr (absolut 38.326 €). Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung waren Neuinvestitionen in Aktien und ETFs (34.200 €). Zusätzlich erfreute ich mich aber auch über Kurserfolge (Buchgewinne von 1.902 €), realisierte Kurserfolge (666 €) und Erträge aus Dividendenzahlungen und Zinsen (1.441 €).

Entwicklung des Depot 2020
Es ging bergauf, allerdings nicht immer stetig.

Im Jahresverlauf ist die Corona-Krise am Ende des 1. Quartals deutlich zu sehen. Trotz monatlicher Einzahlungen fiel der Wert meines Depots zwischenzeitlich um mehr als 13.000 €. Für mich allerdings die Chance, preiswert Einzelaktien zu kaufen und mein Depot zu erweitern. Die Erholung setzte schnell wieder ein, um im 4. Quartal nach einem kurzen Rücksetzer endgültig zur Jahresendrallye anzusetzen.

Die Top 5 in meinem Depot 2020

Unabhängig ob ETF oder Unternehmen, habe ich mal einen Blick auf meine fünf besten Investitionen im Jahr 2020 geworfen. Gemessen an der absoluten Performance, wobei sich der interne Zinsfuß (IZF) oder der prozentuale Kursgewinn davon teilweise deutlich unterscheiden.

PlatzierungETF / UnternehmenInterner Zinsfuß (IZF)Absolute Performance
1UBS MSCI World Socially Responsible+ 17,0%+ 558 €
2TransAlta Renewables+ 56,2%+ 484 €
3ComStage MSCI World+ 5,6%+ 426 €
4Lam Research+ 169,3%+ 417 €
5HeidelbergCement+ 411%+ 407 €

Der große Unterschied beim IZF zwischen dem UBS MSCI World Socially Responsible und dem ComStage MSCI World lässt sich damit erklären, dass sich der UBS noch in der Ansparphase befindet, während ich in der Krise keine Anteile vom ComStage MSCI World gekauft habe. Dennoch, mit Blick auf den Kursverlauf lief der UBS MSCI World Socially Responsible mit + 7,3% besser als der ComStage MSCI World mit + 4%. TransAlta Renewables erlebte insbesondere zum Jahresende einen Höhenflug. Und während Lam Research noch immer in meinem Depot von All-Time High zu All-Time High eilt, hatte ich HeidelbergCement nur kurz im Depot und verkaufte die Position mit einem deutlichen Plus (daher auch der große IZF).

Die Flop 5 in meinen Depot 2020

Wo Licht ist, da ist auch immer Schatten. Und so gab es 2020 natürlich nicht nur Gewinner, sondern auch jede Menge Verlierer. Insbesondere Value-Werte waren 2020 ja nicht wirklich hip. Zusätzlich wurden u.a. der Energie- und Finanzsektor abgestraft. Dementsprechend steht mein Flaggschiff, der Vanguard All-World High Dividend Yield, ganz oben auf der Liste der Verlierer. Dank der monatlichen Sparpläne nutze ich allerdings die Zeit, um meinen durchschnittlichen Einstiegskurs dank Cost-Average-Effekt kontinuierlich nach unten zu treiben. Mit Shell und der Naturgy Energy Group stehen auch zwei Energieunternehmen in meiner Flop 5 Auflistung.

PlatzierungETF / UnternehmenInterner Zinsfuß (IZF)Absolute Performance
1Vanguard All-World High Dividend Yield– 5,4%– 682 €
2Intel– 25,1%– 191 €
3Royal Dutch Shell– 12,4%– 140 €
4iShares USD Corporate Bond– 9,2%– 105 €
5Naturgy Energy Group– 10,8%– 58 €

Depot(um)verteilung 2020

Im Jahresverlauf wandelte sich auch mein Portfolio Stück für Stück. Mit einem Plus von knapp 14% wuchs der Aktienanteil am stärksten auf über 18%. Stabil blieb dagegen der Anteil der ETFs mit 61%. Leichten Zugewinn zeigten die Anleihen und P2P-Kredite. Somit ist klar, dass insbesondere die Sparkonten (- 1,8%) sowie der Cash-Anteil (- 12,5%) 2020 kräftig schrumpften. Auch 2021 wird diese Umverteilung fortgesetzt, wobei ich mir für die einzelnen Posten bewusst feste Grenzen gesetzt habe.

Depotverteilung Ende 2020

Ein Jahresrückblick auf die Ziele 2020

Ziel erreicht!

Ziel 1: Ausbau des Portfolios auf über 100.000 €

Mit ca. 107.000 € habe ich dieses Ziel dank der Jahresendrallye sehr zufriedenstellend erfüllt.

Ziel erreicht!

Ziel 2: Depot mit ETFs, Aktien und Anleihen soll auf über 70.000 € wachsen

Diesen Wert habe ich ebenso dank der Jahresendrallye mit einem Depotwert von ca. 86.750 € locker erreichen können. Mit einem Anstieg von mehr als 38.000 € habe ich aber nicht wirklich gerechnet. Ein vernünftiges Cash-Polster sowie regelmäßige Spareinlagen und eine hohe Sparquote haben dazu beigetragen.

Ziel erreicht!

Ziel 3: Dividenden von 100 € / Monat 

Im Jahr 2020 konnte ich insgesamt 1.334,99 € an Dividenden verbuchen. Das macht im Schnitt ~111,25 € pro Monat und liegt über meiner Zielsetzung. Summiert man alle weiteren Erträge (u.a. Zinseinnahmen), liegt der Durchschnitt sogar bei ~120 € (1.441 € im Jahr 2020).

Dividenden 2020

Die vereinnahmten Dividenden wurden übrigens wieder reinvestiert.
Fun Fact: Insgesamt haben die erhaltenen Dividenden 4,5% aller Neuinvestitionen in diesem Jahr ausgemacht.

Ziel erreicht!

Ziel 4: Sparquote von über 40%

Im gesonderten Beitrag zur Sparquote hatte ich ja bereits darauf hingewiesen, dass diese insbesondere für mich persönlich eine wichtige Kennziffer darstellt, um meinen Weg und letztendlich auch die Zielsetzung für die finanzielle Unabhängigkeit richtig beurteilen zu können. Laut meinen Berechnungen komme ich 2020 auf eine Sparquote von knapp 44%. Ehrlich gesagt, ich hätte gedacht diese Zahl ist größer. Ich bin zwar kein Frugalist, aber dennoch sparsam. Klar geht was für Miete, Lebensmittel und Fortbewegung drauf, dennoch hätte ich einen Wert von +/- 50% erwartet. Trotzdessen legte ich fast 30.000 € dieses Jahr für Investitionen beiseite. Zusammen mit dem Cash-Anteil konnte ich dadurch natürlich ordentlich investieren.

Ziel erreicht!

Ziel 5: Ausbau der Aktienquote auf über 7%

Wie bereits weiter oben erwähnt, der Anteil der Aktien im Portfolio hat Ende 2020 bereits 18% erreicht. Insbesondere die Käufe im Februar und März führten zu diesem starken Anstieg. Ich fühle mich mit dieser „hohen“ Quote trotzdem sehr wohl. Vergleicht man den internen Zinsfuß 2020, liegen die Aktien mit 16,5% auch deutlich vor den ETFs mit 3,8%. Aber auch die True Time-Weighted Rate of Return für 2020 liegt für die Aktien (3,3%) über denen der ETFs (+/- 0,0).

Die Kosten der Depotführung 2020

Kehrseite der Medaille, 2020 zahlte ich für mein Depot Steuern im Wert von ca. 247 € sowie ca. 103 € an Gebühren durch Transaktionskosten. Zumindest einen Teil der Steuern will ich mir durch einen nicht ausgeschöpften Freistellungsauftrag aber noch zurückholen. Bei den Transaktionskosten gab es drei größere Kostenfaktoren:

  • die Einzelkäufe und Verkäufe bei TradeRepublik: ~ 40 €
  • die Gebühren bei der Ausführung der ETF-Sparpläne bei der DKB: ~ 43
  • Kosten für den Kauf/Verkauf von ETFs beim Depotumbau: ~ 20 €

Bei Käufen und Verkäufen im Wert von knapp 44.000 € empfinde ich die Gebühren von ca. 0,23% allerdings als sehr human.

Kosten der ETFs (TER)

Zusätzlich fallen natürlich auch laufende Kosten durch die ETFs an. Allerdings habe ich hier im allgemeinen auf eine geringe Total Expense Ratio (TER) geachtet. Am Ende des Jahres 2020, also nicht gemittelt für das Jahr, stehen bei mir Kosten von 149,05 €, durchschnittlich also 0,22%, für die ETF-Depotwerte. Für die Depotführung komme ich daher auf Kosten von unter 0,5% im Jahr. Das darf gerne so bleiben.

Zusammenfassung

Im Jahr 2020 konnte ich, trotz der Pandemie, alle Jahresziele erfüllen. Dank der ETFs und eher defensiven Einzelinvestments umschiffte ich Klippen wie bspw. Wirecard, erreichte aber auch keine „Heils-“ oder Renditebringer wie Tesla. Trotz der recht geringen Kurserfolge/Buchgewinne bin ich dennoch mit diesem Jahr sehr zufrieden. Auch tief in der Krise konnte ich gut schlafen und beruhigte mich mit dem Wissen, das mein Geld in den ETFs gut angelegt ist.

Erfolgsfaktor Mut/Tollheit

Und statt panisch zu verkaufen, nutzte ich die Gelegenheit zusätzliche Unternehmen ins Depot zu holen. Und das teils zu extrem günstigen Preisen. Während ich bei HeidelbergCement wohl zu früh ausgestiegen bin und weitere Gewinne hätte realisieren können, läuft Lam Research weiter wie eine Rakete. Aber auch bei anderen Unternehmen (bspw. Siemens, Münchener Rück, Caterpillar) bin bzw. war ich deutlich im Plus. Die notwendige Ruhe und das Vertrauen um auch deutlichere Einbrüche auszuhalten, hatte ich 2020 zumindest.

Der Marathon finanzielle Anabhängigkeit

Mit angemessener Sparquote von über 40% kam ordentlich frisches Kapitel zusammen. Aber nicht nur die Depotwerte sind gestiegen, auch mein passives Einkommen durch regelmäßige Dividendenzahlungen kann sich mit über 100 € / Monat bereits sehen lassen. Ich hoffe, Euer Jahr 2020 war ähnlich oder sogar noch erfolgreicher

Ich wünsche Euch was. Bleibt gesund und investiert.
Es grüßt, der FIRE-Stratege.

Ein Kommentar bei „Der Jahresrückblick 2020 – was für ein Börsenjahr“

  1. […] Basis meiner finanziellen Unabhängigkeit sind ja ETFs, welche breit gestreut ca. 60% meines Portfolios ausmachen. Auch 2021 sollen die großen ETF-Sparpläne weiterlaufen und für einen konstanten Vermögensaufbau sorgen. Zusätzlich möchte ich pro Monat 1.000 € in ETF-Sparpläne oder Aktien investieren. In Summe sollen damit mindestens 26.400 € an Neuinvestitionen 2021 erfolgen. Ein ambitioniertes Ziel, zumal ich durch den neuen Job ja einen kleinen finanziellen Rückschritt erleide und sich auch der Cash-Bestand im letzten Jahr verringerte. […]

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