Aktiensparpläne – sinnvoll oder sinnfrei?

Seit neusten bietet ein Broker meines Vertrauens, TradeRepublik (TR), Aktiensparpläne zum Nulltarif an. Heißt, es entstehen beim Kauf von Aktien für den Käufer keinerlei Fremdkosten oder Gebühren. Wie ich finde, eine nette Sache. Aber nur weil etwas nichts kostet, muss es noch lange nicht gut sein. Aber sind Aktiensparpläne nun sinnvoll oder doch eher sinnfrei? Für die faulen Leser*innen unter Euch, nehme ich meine Antwort auf die Frage schon vorweg. Ich persönlich halte Sie, gerade durch das neue kostenfreie Angebot, für eine sinnvolle Ergänzung. Ich habe mich deswegen auch für die Einrichtung verschiedener Sparpläne entschieden. Für diejenigen, die noch etwas Kaffee in der Tasse haben und neugierig geworden sind, gibt es im folgenden eine ausführlichere Erklärung.

1. Grund für Aktiensparpläne

(Aktien-)Sparpläne laufen nach der Einrichtung automatisch, Monat für Monat, ohne das ich dafür etwas tun muss. Ich muss lediglich darauf achten, dass mein Konto gedeckt ist und somit genügend Geld für den Kauf der Aktien zur Verfügung steht. In meinem Falle ist dieser Punkt nicht so wichtig, da ich eh fast täglich online und „aktiv“ bin, aber während den Feiertagen, Urlaubszeiten und anderen stressigen Perioden, können die Sparpläne einem schon mal die Arbeit abnehmen.

2. Grund für Aktiensparpläne

Die Aktiensparpläne sind bei TradeRepublik kostenfrei. Ich habe also beim Kauf der Aktien keinerlei Neben- oder Fremdkosten. Bei einem Mindestbetrag von 10 € ist das schon außergewöhnlich. Andere Broker bieten natürlich ebenso Aktiensparpläne an und haben das bereits viel früher getan. Da ich allerdings verschiedene Unternehmen mit relativ kleinen Summen besparen möchte, empfand ich die Nebenkosten als teilweise sehr hoch. Bei der ComDirect kosten die Sparpläne bspw. 1,5% des Ordervolumens bei einem Mindestbetrag von 25 €. Beim Smartbroker kosten die Aktiensparpläne lediglich 0,2%, allerdings mindestens 0,80 €. Sprich, um auf 0,2% zu kommen, müsste ich schon 400 € pro Sparplan haben, was absolut nicht meine Liga ist.

Nun gibt es bei TR eine Auswahl von rund 1.000 Aktiensparplänen. Die bisher breiteste Palette und für mich absolut ausreichend. Bei Sparplänen von über 200 € oder wie in meinen Falle den ETF-Sparplänen von monatlich 400 €, habe ich natürlich auch etwas gegen die Nebenkosten, auf lange Sicht und in dem Verhältnis kann ich mit diesen allerdings durchaus leben.

3. Grund für Aktiensparpläne

Ein weiteres wichtiges Kritierium ist fder mögliche Kauf von Aktienbruchstücken. Ich muss als keine ganze Aktie kaufen, sondern kann auch nur kleine Bruchstücke davon erwerben.

Nehmen wir das Extrembeispiel Amazon. Eine einzige Aktie würde mich heute 2.780 € kosten. Damit wäre Amazon allein mit einer Aktie sofort an der Spitze meiner Einzelinvestitionen, weit vor Cisco mit derzeit 46 Aktien und einem Marktwert von knapp 1.550 €. Die Aktiensplits von Tesla und Apple haben ja bereits gezeigt, dass eine „künstliche“ Verbilligung der Aktien durchaus Sinn macht und am Markt positiv aufgenommen wird. Bei so „teuren“ Aktien kann ich mit den Bruchstücken daher viel besser meine Investitionen proportionieren und habe mein Depot besser unter Kontrolle.

4. Grund für Aktiensparpläne

Eigentlich der Hauptgrund für die Sparpläne, ist ein psychologischer Grund. Es gibt Qualitätsunternehmen, die kennen keine Schwäche und der Kurs steigt quasi linear an. Hier einzusteigen heißt im Grunde, immer nahe des All-Time-High einzusteigen. Damit tue ich mich sehr sehr schwer.

Kennen keine Schwäche – Kursverlauf von Microsoft ($MSFT) in den letzten fünf Jahren
Kennen ebenso kaum Schwächephasen – Kursverlauf von Visa ($V) in den letzten fünf Jahren

Aber eigentlich warten wir doch alle auf den ein oder anderen Schwächemoment. Ich jedenfalls tue dies und verpasse gute Gelegenheiten doch sehr häufig. Zusätzlich begehe ich häufig den Fehler, den Preis einer Aktie mit dem Preis einer anderen zu vergleichen. Im Verhältnis zu einer einzigen BlackRock Aktie bekomme ich doch 12 tolle Aktien von Coca-Cola, ist das nicht viel mehr wert? So simpel die Antwort ist (Nein), so schwierig ist es für mich, diese Antwort auch zu akzeptieren.

Meine Aktiensparpläne

Folgende Aktiensparpläne habe ich bisher bei TradeRepublik eingerichtet:

Visa ($V)20 €
BlackRock ($BLK)20 €
Coca Cola ($KO)20 €
General Mills ($GIS)20 €
Home Depot ($HD)23 €
Amazon ($AMZN)50 €
Alphabet ($GOOGL)50 €
Aktuelle Aktiensparpläne bei TR

Damit investiere ich insgesamt 203 € monatlich in die neuen TR-Aktiensparpläne. Mit Visa, Home Depot, Amazon und Alphabet bespare ich nun Unternehmen, die sich stetig im ATH befinden. Ich glaube an diese Unternehmen und Geschäftsmodelle langfristig. BlackRock, Coca-Cola und General Mills finde ich spannend und würde sie gerne im Depot haben. Mit den Aktiensparplänen bekomme ich die Unternehmen kostenfrei ohne mich um den perfekten Einstiegszeitpunkt kümmern zu müssen.

Gründe gegen Aktiensparpläne

Machen wir uns nichts vor, natürlich sprechen auch Gründe gegen Aktiensparpläne. Fällt der Kurs der Qualitätsunternehmen doch einmal, ist es recht unwahrscheinlich, dass genau in diesem Moment die Sparpläne greifen und man ein paar Anteile/Bruchteile ins Depot bekommt. Und selbst wenn, es sind ja nur Bruchteile und nur kleinere Investitionssummen.

Der Ausübungskurs ist natürlich auch noch ein Nachteil, zumal eine Limit-Order ja nicht existiert. Gefühlt erwischt man häufig einen sehr schlechten Kurs im Laufe des Tages. Ob das wirklich objektiv der Fall ist, kann ich allerdings nicht wirklich sagen.

Natürlich muss man pro Unternehmen/Sparplan auch ein wenig Durchhaltevermögen besitzen. Es macht keinen Sinn, die in meinem Fall im September gekauften 0,4 Anteile von Coca-Cola (Wert ~ 20 €) nun wieder zu verkaufen und dafür 1 € Nebenkosten zu bezahlen. Entscheidet man sich also für ein Unternehmen mit einer geringen Sparquote (wie bspw. 20 €), muss man ein paar Monate durchhalten, um auch die Nebenkosten (prozentual gesehen) bei einem Verkauf auf ein sinnvolles Maß zu begrenzen.

Fazit

Am nächsten Freitag (16. des Monats) werden die Sparpläne wieder fällig. Ich habe mit den neuen Aktiensparplänen eine für mich sinnvolle Ergänzung gefunden. Langsam aber stetig bekomme ich gezielt Qualitätsunternehmen in mein Depot, die ich wegen des hohen Preises (Amazon/Alphabet) oder aus psychologischen Gründen eigentlich nicht kaufen würden.

Was denkt ihr über das aktuelle Angebot von Trade Republik? Habt ihr bereits Aktiensparpläne eingerichtet und wenn ja, auch auf Qualitätsunternehmen? Oder lasst ihr davon aus bestimmten Gründen lieber die Finger?

Es grüßt, der FIRE-Stratege.

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